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Doping in Freiburg: Rück- und Vorschau

März 19th, 2009 · Keine Kommentare

Vor ziemlich genau einem Jahr hat die von der Universitätsklinik Freiburg beauftragte sog. Doping-Kommission ihren Zwischenbericht zu den Verstrickungen von Uniklinik-Sportärzten in die Doping-Machenschaften im deutschen Profi-Radsport der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie der Journalist Jens Weinreich in seinem Blog schreibt, steht nun der bereits seit längerem erwartete Abschlussbericht unter der Leitung des früheren Reutlinger Richters Hans Joachim Schäfer kurz vor der Veröffentlichung. Angeblich soll es im April soweit sein. Dass der Abschlussbericht kurz vor seiner Fertigstellung steht, ist auch aus anderen Quellen zu hören.

Allerdings hat Schäfer  schon im Herbst des vergangenen Jahres erklärt, dass der Abschlussbericht nicht mehr lange auf sich warten ließe. Dass es nun doch noch etwas länger dauert, liegt – meiner Einschätzung nach – freilich nicht an einer trödelnden Arbeitsweise der Kommission, sondern vor allem daran, dass sich im Laufe der Untersuchungen immer neue Gesichtspunkte ergeben haben und neue Geständnisse von Betroffenen an die Öffentlichkeit kamen, die die Kommission noch berücksichtigen wollte. Schäfer jedenfalls hat versprochen, dass die Ergebnisse des Abschlussberichtes über die des Zwischenberichtes hinausgehen werden.

Schon der hatte zwar in seiner Grundaussage (Sportmediziner der Freiburger Uniklinik haben aktiv beim Doping von Radsportlern mitgewirkt) keine grundsätzliche Überraschung erbracht, im Detail aber die Machenschaften der Doping-Ärzte in bis dato ungekannter Präzision geschildert.

Zur bisherigen Entwicklung des Doping-Skandals an der Freiburger Uniklinik habe ich hier einige von meinen Artikeln aus  “Der Sonntag” zusammengestellt.

Noch ein paar persönliche Anmerkungen: Zur Berichterstattung um die Doping-Verwicklungen der Freiburger Uniklinik kam ich quasi wie die Jungfrau zum Kind. Ich bin kein Sportjournalist, was mir aber – wie ich glaube – in dieser Angelegenheit eher zum Vorteil gereichte. Nach den Doping-Vorwürfen gegen Jan Ullrich am Vorabend der Tour de France 2006 habe ich mir als (privat) Radsportinteressierter eigentlich nur die (naheliegende) Frage gestellt, wie es eigentlich sein kann, dass Ullrichs Ärzte in Freiburg nie etwas von den ganzen Doping-Umtrieben im Radsportzirkus mitbekommen haben wollen. Die anschließende Recherche brachte mich erstmals mit der Doping-Problematik so richtig in Berührung und ich merkte schnell, dass ich da in ein Wespennest gestochen hatte (wie freilich vor mir schon etliche andere seriös arbeitende Kollegen). Im ersten Artikel “Wirklich ahnungslos” ging es denn tatsächlich zunächst nur um die Frage, ob Heinrich, Schmid & Co vom Doping-Treiben ihrer Schützlinge etwas gewusst haben könnten. Dass sie selbst so dick mit drinhingen, konnte oder wollte man zu jenem Zeitpunkt noch nicht laut sagen.

Ein Kollege hat mich mal aufgrund meiner Berichterstattung gefragt, warum ich den Radsport “so sehr hassen” würde. Ich bin über diese Frage, ehrlich gesagt, ziemlich erschrocken. Denn das Gegenteil ist der Fall. Ich halte den Radsport für eine großartige, ungemein faszinierende Sportart – umso mehr schmerzt mich, wie es um ihn steht. Die Radprofis selbst sind im meinen Augen eher Opfer denn Täter in einem perfiden System. Die wahren Schuldigen würde ich eher ein paar Etagen weiter oben verorten.

Tags: Allgemein

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