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WolframAlpha – Who are you?

Mai 26th, 2009 · Keine Kommentare

I am a computational knowledge engine

antwortet WolframAlpha. Und auf konkrete Fragen konkrete Antworten zu geben, ist ja schon mal etwas für ein Computerprogramm. Die “rechenbetonte Wissensmaschine”, so die ungefähre Übersetzung, sorgt dieser Tage für einige Schlagzeilen. Zuletzt die, dass WolframAlpha diskriminierende Antworten geben soll, weil das Programm beim Suchbegriff “black” in einem Synonyme-Diagramm Begriffe wie “dumb” in unmittelbarer Nachbarschaft platziert hat. (Das kann eben dabei herauskommen, wenn man Maschinen rechnen lässt. Wobei ich meine, dass WolframAlpha-Team hat da inzwischen schon “nachgebessert”).

Auch abseits von derartigen Spezialitäten ist der Rummel um die neue Internet-Seite, die als Suchmaschine nur ungenügend beschrieben ist, in der Tat erstaunlich. Google listet mittlerweile über 5 Millionen Treffer bei der Suche nach “Wolfram Alpha”, bei delicious wurde die Seite bereits knapp 12000 Mal abgelegt und ist dort die mit Abstand am häufigsten gebookmarkte Seite des vergangenen Monats. Legion sind inzwischen auch schon die Medienberichte, die sich mit WolframAlpha beschäftigt haben. (Besonders viele davon erschienen, noch bevor WolframAlpha überhaupt gestartet war. Was nebenbei die Frage aufwirft, ob diese Form des oft schon hysterisch anmutenden Ankündigungsjournalismus nicht langsam ausufert). So hat zum Beispiel Spiegel-Online in bewährter Manier die Hype-Maschinerie angeworfen und sich dabei vor allem auf einen Blogeintrag von Web-Unternehmer Nova Spivack berufen. Um nach dem Start des Projekts – als sich kritische Stimmen mehrten – besagten Spivack in einem Interview vor die Brust zu nehmen und ihn mit den vielerorts geäußerten Enttäuschungsbekundungen zu konfrontieren. Das Interview ist, sagen wir mal so, wenig zielführend, weil es über WolframAlpha kaum etwas zu sagen hat und dafür mehr über die Zukunft von Suchmaschinen allgemein schwadroniert wird. Ein wichtiges Statement lesen wir aber gleich zu Beginn. Auf die Frage:

Jetzt ist die vermeintliche Wundersuchmaschine öffentlich zugänglich, und Experten zeigen sich reihenweise enttäuscht – zu Recht?

antwortet Spivack:

Nein, dieses Urteil kann ich nicht teilen. Es beruht auf falschen Erwartungen.

Tatsächlich wartet die Welt (oder zumindest gewisse Teile der Welt) sehnsüchtig auf den Google-Killer. Daher auch der Hype um WolframAlpha, sieht man doch in dem Kopf der dahintersteckt – es handelt sich um den Physiker Stephen Wolfram – eine Persönlichkeit, die in der Lage wäre, dem Suchmaschinen-Giganten Paroli zu bieten. Doch wer WolframAlpha mit Google vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen. Während Google auf jegliche Suchbegriffe Fundstücke (also Links) im weltweiten Netz ausspuckt, verzichtet WolframAlpha auf eine Linkliste und versucht auf konkrete Fragen konkrete Antworten zu geben. Das gelingt, es sei an dieser Stelle ausdrücklich angemerkt, bislang eher schlecht als recht. Und dennoch meine ich nach  ersten eigenen Versuchen, dass es Sinn macht, dieses Projekt weiter im Auge zu behalten und hin und wieder neu zu testen. (Schließlich befindet sich WolframAlpha nach eigenem Bekunden noch in der Startphase).

Nochmal – weil diese Unterscheidung wirklich wichtig ist, um Missverständnisse zu vermeiden: Google liefert Antworten auf die Frage: Wo finde ich was im Web?. WolframAlpha versucht, Fragen direkt zu beantworten (Was nebenbei bemerkt so ziemlich das ehrgeizigste Ziel ist, dass man sich in der Informatik überhaupt setzen kann – weil es direkt in das anspruchsvolle Feld der künstlichen Intelligenz führt. Dementsprechend beginnen WolframAlphas Schwierigkeiten derzeit oft schon damit, dass das Programm Schwierigkeiten hat, den Fragesteller überhaupt zu verstehen - “Wolfram|Alpha isn’t sure what to do with your input.”)

Über weite Strecken erinnert WolframAlpha also weniger an Google oder andere Suchmaschinen als vielmehr an einen Wikipedia-Eintrag im Stichwort-Format. Stark zeigt sich die “Wissensmaschine” vor allem beim Faktenwissen. Auf die Frage nach den größten Ländern der Erde etwa gibt es flugs eine schön übersichtliche Liste, sortiert nicht nur nach Fläche, sondern auch nach Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft. Die Eingabe einer Stadt liefert knapp die wichtigsten Daten, wie Lage, Einwohnerzahl und – ganz aktuell – das Wetter. Zwei Städte in der Suchmaske werden verglichen und es gibt auch gleich eine Entfernungsangabe. Derartige Vergleich funktionieren auch mit anderen geographischen Daten (z.B. Ländern und Bergen) oder auch mit Aktienkursen.

Dass US-Präsident Barack Obama zum Zeitpunkt, da dieser Artikel entsteht, 47 Jahre, 9 Monate und 22 Tage alt ist, erfahre ich ohne Umschweife auf die Frage “How old is Barack Obama”. Analog klappt das auch mit Angela Merkel und Klaus Zumwinkel, aber leider (noch?) nicht mit Michael Ballack. Immerhin: Im Erfolgsfalle zeigt sich die Stärke der “rechenbetonten Wissensmaschine”, weil sie mir eine Antwort liefert, für die ich sonst – eben – selbst rechnen müsste. Natürlich kann man mit WolframAlpha auch die Mehrwertsteuer be- und Währungen tagesaktuell umrechnen, aber das geht mit Google ja bekanntlich auch.

Ein nettes Gimmick ist der Versuch, mit WolframAlpha eine Unterhaltung zu beginnen. Eine Selbstauskunft liefert das Programm, wie eingangs erwähnt, ja schon mal. Außerdem erklärt es, dass es (zum Zeitpunkt, da diese Zeilen geschrieben werden)  “10 days 13 hours 26 minutes 43.81 seconds” alt ist. Dass es (derzeit) noch kein deutsch versteht, aber:

I hope to learn many languages, but for now I only know English.

Und (auf die Frage, was WolframAlpha mag):

I like to explore the computational universe

Besonders nett (da passend zu dem Titel diese Blogs) ist Wolfram Alphas Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Tags: Allgemein

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