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Fünf Tipps für bessere Fotos – Tipp 3: Beobachte das Licht

Juni 19th, 2010 · Keine Kommentare

Gute Fotos erfordern eine ganze Portion fotografisches Können, sehr gute (oder gar geniale) Fotos sind eine Kunst. Für bessere Fotos aber reicht es oft aus, ein paar grundlegende Regeln zu beachten. Im folgenden soll es um die nach meiner Erfahrung fünf wichtigsten Tipps gehen, die man beim Fotografieren beherzigen sollte. Als da wären:

  1. Gehe näher ran
  2. Achte auf die Schärfe
  3. Beobachte das Licht
  4. Bewege Dich
  5. Mache Dich mit Deiner Technik vertraut

Vorbemerkung 1: Auf Flickr habe ich eine Galerie angelegt, die mithilfe ausgewählter Fotos die nachfolgenden Erläuterungen praktisch zu illustrieren versucht.

Vorbemerkung 2: Ich habe versucht, bei den Tipps eine gewisse Hierarchie herzustellen. D.h. ich halte den ersten Tipp für wichtiger als den fünften. Auch innerhalb der Erläuterungen versuche ich, das Wichtigste gleich zu Beginn bekannt zu geben und erst dann ins Detail zu gehen. Wem das zuviel wird, liest dann einfach beim nächsten Tipp weiter.

Vorbemerkung 3: Keine Regel ohne Ausnahme – es gibt großartige Fotos,  die genau deshalb so großartig sind, weil sie eine (seltener auch mehrere) dieser Grundregeln brechen. Doch auch beim Fotografieren gilt die Binsenweisheit: Man muss die Regeln kennen (und beherrschen), um sie sinnvoll brechen zu können. Wer sich an die Regeln hält, hat gute Chancen ordentliche Bilder zu machen. Wer es (aus Unwissenheit oder Faulheit) nicht tut, hat eine minimale Chance, etwas Geniales zu erschaffen – und wird, falls er diesen Glückstreffer überhaupt jemals landet, bis dahin eine Menge Müll produzieren.

Vorbemerkung 4: Obwohl die meisten der folgenden Ausführungen auch für die analoge Fotografie gelten, gehe ich davon aus, dass der geneigte Leser / die geneigte Leserin mit einer Digitalkamera unterwegs ist. Wer heute noch analog fotografiert, braucht eigentlich nicht weiter zu lesen: Denn er ist entweder so desinteressiert am Thema Fotografie, dass er (mit seiner veralteten Ausrüstung) nicht mal den geringsten Ehrgeiz für bessere Bildern entwickelt. Oder er ist ein derart mit allen Wassern der Lichtbildkunst gewaschener Freak, dass er (mit seiner exquisiten Puristen-Ausrüstung) bereits alle Kniffe kennt und meine Ausführungen für ihn daher längst kalter Kaffee sind.

Vorbemerkung 5: Ansonsten aber ist es völlig gleich, ob Sie mit einer preiswerten Kompakt- oder mit einer profimäßigen Spiegelreflexkamera (oder irgendwas dazwischen) unterwegs sind. Ordentliche Bilder (will sagen: bessere) können Sie heutzutage mit fast jeder Technik machen. Auf die Eigenheiten der jeweiligen Kamera-Technologien werde ich hier und da noch genauer eingehen.

Vorbemerkung 6: Die fünf Tipps habe ich in der Du-Form formuliert – das klingt knackiger. Ansonsten aber rede ich meine Leser lieber in der Höflichkeitsform an – das will ich auch hier so halten.

Jetzt aber endlich weiter mit dem dritten Tipp.

Beobachte das Licht

Das Wort “Fotografie” stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “Schreiben” oder “Zeichnen mit Licht”. Das ist allgemein bekannt – warum also erwähne ich es hier noch einmal, gleich zu Beginn? Weil man das, was die Fotografie ist, wohl mit keinem Begriff besser ausdrücken könnte als eben mit “Fotografie”. Und weil jeder Fotograf, der bessere Bilder machen will, gut daran tut, sich diese grundlegende Idee immer wieder vor Augen zu führen. Der Schreiner arbeitet mit Holz, der Maurer mit Stein, der Maler mit Farbe und der Fotograf mit Licht – that’s it. Bessere (oder womöglich sogar gute) Fotos machen Sie, wenn Sie nicht nur auf das Motiv achten, das Sie ablichten (da haben wir es wieder – Licht!)  wollen, sondern wenn Sie sich mehr und mehr angewöhnen, auch das Licht im Auge zu behalten, das ihre Aufnahme formt. Ich kann Ihnen versichern, dass das eine überaus anspruchsvolle (und womöglich sogar lebenslang währende), aber auch überaus reizvolle und erfüllende Aufgabe ist. Es gibt nicht wenige Fotografen, die sich gar nicht besonders dafür interessieren, welches Motiv sie letztendlich vor ihrer Linse haben, sondern die fast auschließlich darauf achten, in welchem Licht es erscheint. Und diese Fotografen sind oft nicht die Schlechtesten.

Das Licht beobachten – damit meine ich weniger, dass Sie an Ihrer Kamera die richtige Belichtungseinstellung auswählen sollen. Das ist zwar auch wichtig und dazu ein überaus komplexes und interessantes Thema (ich werde es später noch ein wenig streifen). In den meisten Situationen aber sind moderne Kameras durchaus in der Lage, diese Einstellungen im Rahmen einer Automatik auf zufriedenstellende Art und Weise selbst zu treffen. Nein, was ich hier meine und was in meinen Augen viel wichtiger erscheint, ist, dass Sie lernen sollten, auf die Qualität des Lichts zu achten. Stellen Sie sich Fragen zur Lichtsituation, die Sie jeweils antreffen und versuchen Sie, diese möglichst präzise zu beantworten: Ist insgesamt viel Licht vorhanden oder eher wenig? Wirkt das Licht warm oder kalt? Welche Farben fördert das Licht, welche drängt es eher zurück? Leuchtet das Licht eine Szene gleichmäßig aus oder gibt es starke Kontraste? Gibt es sanfte oder eher abrupte Übergänge von Hell zu Dunkel? Wieviele Lichtquellen beeinflussen die Szene und in welcher Intensität? Und, und, und … Wie ich bereits andeutete – das Beobachten des Lichts kann zu einer faszinierenden Lebensaufgabe werden (übrigens ganz unabhängig davon, ob Sie gerade eine Kamera zu Hand haben oder nicht).

Denken Sie als Fotograf immer daran: Unser Auge und unser Gehirn – dieses in seinem Zusammenspiel unvorstellbar großartige Duo – liefern uns ständig Bilder, die für unser Bewusstsein sozusagen schon ab- und ausgeglichen wurden. Ein Fotoapparat mit seiner vergleichsweise primitiven Technik ist da sehr viel unbestechlicher. Sie sollten daher besonders darauf achten, wie dieser eine Lichtsituation wiedergibt und so Schritt für Schritt lernen, wie Ihre Kamera das Licht “sieht”.

Viele Foto-Amateure glauben, man müsse für gute Bilder auf das richtige Foto-Licht, oder – wie sie es ausdrücken würden – das richtige Foto-Wetter warten. Dieses Foto-Wetter besteht in der Regel aus zwei klar definierten Komponenten: Sonnenschein und blauer Himmel. Auch Fotografen, die bessere Bilder machen, schätzen Sonnenschein und blauen Himmel, doch sie wissen: Es gibt prinzipiell kein besonders geeignetes oder ungeeignetes Wetter (und damit Licht) für die Fotografie. Es gibt allenfalls Lichtsituationen, die für bestimmte Sujets gut oder weniger gut geeignet sind.

Kurioserweise ist gerade die Lichtphase, in der vermutlich die meisten Fotos geknipst werden, alles andere als unproblematisch: nämlich Sommertage zur Mittags- und Nachmittagszeit. In dieser Zeit ist das Licht derart stark, dass es harte, kurze Schatten wirft, Farben auswäscht und (vor allem in der Distanz) Konturen auflöst. Nicht umsonst meiden etwa erfahrene Landschaftsfotografen die Mittagszeit und ziehen vorzugsweise morgens oder abends los. Doch wie gesagt: Es gibt kein “schlechtes” Licht, auch im gleißenden Mittagslicht lassen sich beeindruckende Aufnahmen gestalten, wenn man sich der Qualität dieses Lichtes bewusst ist. In vielen Fällen aber ist es für ambitioniertere Fotografen sinnvoller zur Mittgagszeit ein kreatives Päuschen einzulegen als zu fotografieren.

Ein bedeckter Himmel wird von vielen Hobby-Fotografen nicht unbedingt geschätzt. Dabei ist die Abwesenheit von direkter Sonneneinstrahlung eine hervorragende Grundlage für gute Porträts. Nutzen Sie das diffuse, gleichmäßige Licht eines trüben Tages, um Motive zu fotografieren, bei denen starke Schatten und harte Kontraste stören. Das können, wie gesagt, Gesichter von Menschen sein, oder auch mehr oder weniger abstrakte Bilder von Oberflächen, sogenannte Texturen -  übrigens ein überaus reizvolles Foto-Thema. Auch Regen ist in der Regel nicht beliebt. Zu Unrecht. Regenwetter kann dramatische Motive zeitigen, erst recht wenn es mit einem eindrucksvollen Wolkenhimmel einhergeht. Außerdem lässt der Regen Farben auf eine ganz eigentümliche, attraktive Art leuchten; auf eine ganz andere Art als Sonnenlicht Farben strahlen lässt.

Erfahrene Fotografen wissen: Je schwieriger die Lichtsituation wird – je weniger Licht überhaupt zur Verfügung steht oder je stärker die Kontraste sind – desto spannender wird die Angelegenheit, desto größer die Chance für wirklich attraktive Bilder, desto größer aber auch die Gefahr, die Aufnahme zu versieben. Doch was haben Sie zu verlieren? Experimentieren Sie in der Dämmerung, versuchen Sie sich an Nachtaufnahmen oder in schlecht ausgeleuchteten Räumen. Je kniffliger die Lichtsituation wird, desto mehr zahlt sich jedoch Erfahrung und auch ein gewisses Verständnis für die Belichtungstechnik aus (und – zugegeben – auch die Qualität der Kameraausrüstung). Deshalb will ich im Folgenden doch noch ein paar Worte zum Thema Belichtung verlieren.

Wie schon im zweiten Tipp angedeutet, spielen bei der Belichtung einer Aufnahme zwei Faktoren eine Rolle: Die Zeitspanne, während der der Verschluss der Kamera geöffnet ist und so Licht auf den Bildsensor (früher Film) fallen kann – die Verschlusszeit. Und die Größe der Öffnung im Objektiv, durch die das Licht hereinstrahlt – die Blendenöffnung. Beide Parameter sind grundsätzlich variabel. Die Verschlusszeit spielt sich in der Regel in Sekundenbruchteilen ab, standardisierte Werte sind zum Beispiel 1/1000, 1/500, 1/250, 1/125, 1/60, 1/30, 1/15 Sekunde und so weiter. Viele moderne Kameras sind auch in der Lage Zwischenwerte zu bilden. Bei der Nachtfotografie kann es auch mal vorkommen, dass die Verschlusszeiten mehrere Sekunden oder gar mehrere Minuten betragen, aber das ist die Ausnahme. Die Blendenöffnung wird mit Dezimalzahlen angegeben, die umso kleiner sind je größer die Blendenöffnung ist. Typische Werte sind etwa 1.4, 2.8, 3.5, 5.6, 8, 11 und 16, aber auch hier existieren inzwischen diverse Zwischenwerte. Verschlusszeit und Blendenöffnung verhalten sich komplementär zueinander – je größer die Blende desto kürzer wird die Verschlusszeit und umgekehrt. Und so gibt es bei einer bestimmten Lichtsituation eine ganze Reihe von Blende-Zeit-Kombinationen, die theoretisch jeweils zur gleichen Belichtung führen. Auswirkungen hat die Wahl der Blende und der Verschlusszeit zunächst vor allem auf die Schärfe im Bild (siehe Tipp 2).

Ermittelt wird diese Kombination heutzutage in der Regel von der Kamera automatisch oder halbautomatisch. Bei der halbautomatischen Variante wählt der Fotograf entweder eine Blende oder eine Verschlusszeit vor und die Kamera ermittelt dazu den passenden Komplementärwert. Allerdings: So ausgefeilt die Belichtungsmesser moderner Kameras sind, nicht immer ermitteln sie die optimalen oder vom Fotografen gewünschte Ergebnisse. Grundsätzlich gilt: Je hochwertiger ihre Kamera ist, desto mehr Möglichkeiten haben Sie, manuell korrigierend einzugreifen. Eine sehr nützliche Steuerungsmöglichkeit bieten aber selbst weitgehend automatisierte Kameras: nämlich die der Belichtungskorrektur. Damit können Sie in kleinen (festgelegten) Stufen ein Bild stärker oder weniger stark belichten als die Automatik ermittelt hat. Dieses Feature sollten Sie – soweit noch unbekannt – unbedingt ausprobieren. Wenn Ihnen an einer Aufnahme besonders viel gelegen ist, empfiehlt sich auch eine Belichtungsreihe, das heißt mehrere Aufnahmen mit abgestuften Belichtungseinstellungen. Viele (auch günstigere) Kameras bieten übrigens die Option eine solche Belichtungsreihe quasi automatisch erstellen zu lassen.

Das Thema Belichtung ist ein riesiges Feld, wir können das hier nicht einmal streifen – auf wichtige Aspekte wie etwa die Lichtempfindlichkeit (ISO-Werte) werde ich daher nicht weiter eingehen. Eins aber erscheint mir noch erwähnenswert: Viele Kameras haben verschiedene Belichtungsmodi. Das heißt, man kann einstellen, ob die Belichtungsmessung zum Beispiel über das gesamte Bild erfolgt (sozusagen eine Art Belichtungsdurchschnitt) oder etwa auf die Bildmitte beschränkt bleibt. Bietet Ihre Kamera so etwas an, machen Sie sich in der Betriebsanleitung schlau und probieren Sie aus! Gerade bei kniffligen Lichtsituationen können unterschiedliche Belichtungsoptionen ein Weg sein, dem gewünschten Ergebnis näher zu kommen.

Beim Thema Licht wird der eine oder andere vielleicht noch ein Wort zum künstlichen Licht in Form des Blitzes wünschen. Ich will dieses riesige Fass hier nur ungern aufmachen, deshalb an dieser Stelle nur soviel: Man kann mit einem Blitz (oder mehreren) Super-Fotos machen, wenn man die richtige Ausrüstung und das dazu nötige Know-How hat. Den in Ihrer Kamera eingebauten Blitz sollten Sie aber meiden, wann immer es nur geht. Wenn ich eine mir bis dahin unbekannte Kamera in die Hand bekomme, ist meine erste Amtshandlung die, nachzuschauen, wo sich die automatische Blitzauslösung ausschalten lässt. Die eingebauten Blitzgeräte (selbst bei guten Spiegelreflexkameras) sind definitv ein Feind besserer Fotos: Ihre Leuchtkraft ist zu schwach für eine gute Ausleuchtung (meistens ist irgendwas im Vordergrund fürchterlich aufgeblitzt, während der Rest im Dunkel verschwindet), sie lassen menschliche Gesichter zu grässlichen Masken versteinern, produzieren hässliche, harte Schatten und noch hässlichere rote Augen (die Sie selbst mit einer guten Bildbearbeitung nicht immer gescheit weg bekommen) und überhaupt ein fürchterlich hässliches Licht. Wenn Sie bei schwierigen Lichtverhältnissen unbedingt ein scharfes Foto brauchen, dann machen Sie meinetwegen eine Aufnahme mit dem eingebauten Blitz, aber dann schalten Sie ihn aus und versuchen Sie ohne diese Geißel moderner Fototechnik soweit zu kommen wie es irgend geht.

Tags: Allgemein

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