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Fünf Tipps für bessere Fotos – Tipp 4: Bewege Dich

Oktober 12th, 2010 · Keine Kommentare

Gute Fotos erfordern eine ganze Portion fotografisches Können, sehr gute (oder gar geniale) Fotos sind eine Kunst. Für bessere Fotos aber reicht es oft aus, ein paar grundlegende Regeln zu beachten. Im folgenden soll es um die nach meiner Erfahrung fünf wichtigsten Tipps gehen, die man beim Fotografieren beherzigen sollte. Als da wären:

  1. Gehe näher ran
  2. Achte auf die Schärfe
  3. Beobachte das Licht
  4. Bewege Dich
  5. Mache Dich mit Deiner Technik vertraut

Vorbemerkung 1: Auf Flickr habe ich eine Galerie angelegt, die mithilfe ausgewählter Fotos die nachfolgenden Erläuterungen praktisch zu illustrieren versucht.

Vorbemerkung 2: Ich habe versucht, bei den Tipps eine gewisse Hierarchie herzustellen. D.h. ich halte den ersten Tipp für wichtiger als den fünften. Auch innerhalb der Erläuterungen versuche ich, das Wichtigste gleich zu Beginn bekannt zu geben und erst dann ins Detail zu gehen. Wem das zuviel wird, liest dann einfach beim nächsten Tipp weiter.

Vorbemerkung 3: Keine Regel ohne Ausnahme – es gibt großartige Fotos,  die genau deshalb so großartig sind, weil sie eine (seltener auch mehrere) dieser Grundregeln brechen. Doch auch beim Fotografieren gilt die Binsenweisheit: Man muss die Regeln kennen (und beherrschen), um sie sinnvoll brechen zu können. Wer sich an die Regeln hält, hat gute Chancen ordentliche Bilder zu machen. Wer es (aus Unwissenheit oder Faulheit) nicht tut, hat eine minimale Chance, etwas Geniales zu erschaffen – und wird, falls er diesen Glückstreffer überhaupt jemals landet, bis dahin eine Menge Müll produzieren.

Vorbemerkung 4: Obwohl die meisten der folgenden Ausführungen auch für die analoge Fotografie gelten, gehe ich davon aus, dass der geneigte Leser / die geneigte Leserin mit einer Digitalkamera unterwegs ist. Wer heute noch analog fotografiert, braucht eigentlich nicht weiter zu lesen: Denn er ist entweder so desinteressiert am Thema Fotografie, dass er (mit seiner veralteten Ausrüstung) nicht mal den geringsten Ehrgeiz für bessere Bildern entwickelt. Oder er ist ein derart mit allen Wassern der Lichtbildkunst gewaschener Freak, dass er (mit seiner exquisiten Puristen-Ausrüstung) bereits alle Kniffe kennt und meine Ausführungen für ihn daher längst kalter Kaffee sind.

Vorbemerkung 5: Ansonsten aber ist es völlig gleich, ob Sie mit einer preiswerten Kompakt- oder mit einer profimäßigen Spiegelreflexkamera (oder irgendwas dazwischen) unterwegs sind. Ordentliche Bilder (will sagen: bessere) können Sie heutzutage mit fast jeder Technik machen. Auf die Eigenheiten der jeweiligen Kamera-Technologien werde ich hier und da noch genauer eingehen.

Vorbemerkung 6: Die fünf Tipps habe ich in der Du-Form formuliert – das klingt knackiger. Ansonsten aber rede ich meine Leser lieber in der Höflichkeitsform an – das will ich auch hier so halten.

Jetzt aber endlich weiter mit dem vierten Tipp.

Bewege Dich

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Tipp nicht eigentlich mit “Nimm Dir Zeit” überschreiben sollte. Für bessere Fotos braucht man einfach Zeit. Das ist fast so etwas wie ein Naturgesetz, das auch Profis unterschreiben dürften, die sich nicht zuletzt deshalb Profis nennen dürfen, weil sie mit ihrer Kamera schneller zu annehmbaren Ergebnissen kommen als unsereins. Was aber an der grundsätzlichen Gleichung wenig ändern dürfte: Mehr Zeit = bessere Fotos.

Nun ist aber die Zeit im Grunde nur der Rohstoff, die Ressource, die es zu nutzen gilt. Und zwar in Form von Bewegung. Ich gebrauche hier den Begriff Bewegung in einem sehr weit gefassten Sinn. Ich meine natürlich die physische Bewegung, die sich in Kilometern, Metern, Zentimetern, ja manchmal sogar nur in Millimetern ausdrücken kann. Mindestens genauso wichtig aber ist die geistige Bewegung in der Fotografie, ganz grob gesagt, die Fähigkeit, über die üblichen Seh- und Knipsgewohnheiten hinaus zu gehen (was übrigens oft genug in körperlicher Bewegung mündet).

Jede Bewegung resultiert – logischerweise – in einem ganz bestimmten, einzigartigen Bildausschnitt. Dass gerade im Nahbereich oft nur wenige Zentimeter (oder gar Millimeter) zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen, dürfte auch Laien einigermaßen einleuchten. Doch auch wenn ich Motive in größerer Entfernung aufnehme, kann es für die Qualität der Aufnahme entscheidend sein, ein paar Schritte nach rechts, links, vorne oder hinten zu gehen. Die Unterschiede mögen auf den ersten Blick vernachlässigbar erscheinen, allzu oft aber entscheiden nur kleine Änderungen des Standpunkts zwischen einem durchschnittlichen und einem besseren Bild.

Kleine Zwischenbemerkung: Aufmerksamen Lesern könnte womöglich der Gedanke gekommen sein, dass dieser Tipp gewisse Überschneidungen mit Tipp 1 enthält. Tatsächlich wiederhole ich es an dieser Stelle gerne noch einmal: Die vermutlich wichtigste Bewegung in der Fotografie ist – näher ranzugehen.

Beweglichen Fotografen konnte im Grunde nichts besseres als die Digitalfotografie passieren: Wir müssen uns nicht mehr bei jeder Aufnahme fragen, ob wir für ein Foto von diesem oder jenem Standpunkt aus wirklich wertvolles Film-Material vergeuden sollen. Mehr noch: Wir können uns das Ergebnis sofort anschauen, zur Not verwerfen, uns bewegen und einen neuen Versuch wagen. Je länger ich fotografiere desto exzessiver praktiziere ich – wenn man mir die Zeit lässt – diese Art des Bildermachens, bei der der Standpunkt stetig, teilweise nur in kleinen Nuancen, variiert wird. Ich würde das als eine Art Herantasten an das Motiv, mehr noch: an die eigentliche Bildaussage, bezeichnen. Nebenbei bemerkt kann das sehr viel Spaß machen und einen relativ leicht in einen Flow-Zustand versetzen, in dem man auf wohlige Art völlig in seinem Tun aufgeht.

Eine eigentlich relativ triviale Art von Bewegung wird gerade von Anfängern oft sträflich vernachlässigt. Nämlich die, die Kamera einfach mal zu drehen. Weil das Querformat unseren Sehgewohnheiten und auch der bequemen Handhabung der Kamera entspricht, kommen viele Fotografen viel zu selten auf den Gedanken, dass das gerade anvisierte Motiv in einem Hochformat viel besser zur Geltung kommen könnte. Und man muss die Kamera nicht immer nur im Rechten Winkel drehen. Schräg gestellte Fotos sind zwar sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Betrachtung etwas ungewohnt, können aber durchaus das gewisse Etwas in ein Bild bringen. Allerdings halte ich wenig davon, wenn das Schrägstellen zur Masche wird. Ich habe schon Fotografen erlebt, bei denen keine einzige Aufnahme mehr gerade stand – das muss auch nicht sein.

Wenn ich sage, dass Bewegung zu einer ganz bestimmten Art eines Bildausschnitts führt, dann kommen unweigerlich bald Begriffe wie Bildaufbau oder gar Komposition ins Spiel. Sich damit auch theoretisch – zum Beispiel durch die Lektüre entsprechender Literatur – zu beschäftigen, kann meiner Ansicht nicht schaden. Wer mit Begriffen wie Drittelregel oder Goldener Schnitt etwas anfangen kann, kann durchaus in seiner Fotopraxis davon profitieren. Allerdings würde ich davor warnen, Kompositionsregeln zu Dogmen zu erheben. Wer wirklich bewusst (und regelmäßig) fotografiert, der wird – so meine Überzeugung – ganz von selbst nach und nach ein Gespür für einen ansprechenden Bildaufbau entwickeln. Und dann vielleicht im Nachhinein sogar feststellen, dass er quasi instinktiv Regeln befolgt hat, über die sich schlaue Köpfe schon in so manchen Lehrbüchern den Kopf zerbrochen haben.

Wenn sich Fotografen bewegen, dann geht es aber beileibe nicht nur um kurze Distanzen. Dass man Reisen rund um die Welt unternimmt, um zu attraktiven Fotos zu kommen, ist selbst unter Amateuren heutzutage keine Seltenheit mehr. Und in der Tat kann die Begegnung mit fremden Ländern und Menschen eine Art fotografische Frischzellenkur sein und enorm motivieren. Wer freilich bessere Fotos machen will, der sollte sich von dem Irrglauben verabschieden, dass allein exotische Gefilde automatisch ansprechende Resultate garantieren. Auch wenn es ein wenig hart klingt: Wer nur auf den nächsten Urlaub wartet, um mal wieder so richtig toll knipsen zu können, der hat die Magie der Fotografie noch nicht begriffen. Bessere Fotografen müssen nicht einmal ihre eigenen vier Wände verlassen, um sich kreativ austoben zu können.

Denn letztlich entscheidend ist die Beweglichkeit des eigenen Vorstellungsvermögens. Eine gute Übung, um dies zu trainieren, bieten zum Beispiel Motive, die bereits tausend-, wenn nicht gar millionenfach abgelichtet wurden. Wenn Ihnen Ihr innerer Chronist einflüstert, sie müssen doch auch unbedingt den Eiffelturm, das Brandenburger Tor oder die Freiheitsstatue aus der Postkartenperspektive knipsen, um zu dokumentieren, dass Sie auch wirklich da waren, dann tun Sie es – es tut ja niemandem weh. Aber dann bemühen Sie sich um Ihre ganz eigene Sicht dieser Dinge, ganz egal, ob man den Eiffelturm noch danach als solchen erkennt oder nicht. Wohl nirgendwo wird die Faszination der Fotografie so greifbar, wie in den Momenten, in denen wir den uns bekannten Dingen unbekannte Seiten abgewinnen. Das Resultat sind defintiv bessere Bilder.

Noch ein abschließender Tipp zum Thema geistige Beweglichkeit: Gehen Sie stets mit offenen Augen durch die Welt und lassen Sie sich auch von Kleinigkeiten inspirieren. Seien Sie fleißig beim Betrachten dessen, was andere Fotografen schaffen – gerade das Internet mit seinen Foto-Communitys wie Flickr und Co. bietet dazu absolut fantastische Möglichkeiten. Wunderbare Anregungen bietet aber auch die bildende Kunst, vor allem zum Thema Bildkomposition. Museums- und Galleriebesuche sind also für bessere Fotografen definitiv zum empfehlen. Nicht zuletzt ist es hilfreich, den eigenen Foto-Bestand hin und wieder kritisch (aber auch nicht zu kritisch) zu durchforsten.

Tags: Allgemein

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