NullEinsund42

Weblog von Alexander Huber

NullEinsund42 header image

Fünf Tipps für bessere Fotos – Tipp 5: Mache Dich mit Deiner Technik vertraut

Februar 16th, 2011 · Keine Kommentare

Gute Fotos erfordern eine ganze Portion fotografisches Können, sehr gute (oder gar geniale) Fotos sind eine Kunst. Für bessere Fotos aber reicht es oft aus, ein paar grundlegende Regeln zu beachten. Im folgenden soll es um die nach meiner Erfahrung fünf wichtigsten Tipps gehen, die man beim Fotografieren beherzigen sollte. Als da wären:

  1. Gehe näher ran
  2. Achte auf die Schärfe
  3. Beobachte das Licht
  4. Bewege Dich
  5. Mache Dich mit Deiner Technik vertraut.

Vorbemerkung 1: Im Gegensatz zu den anderen Teilen des Tutorials gibt es diesmal keine Flickr-Galerie.

Vorbemerkung 2: Ich habe versucht, bei den Tipps eine gewisse Hierarchie herzustellen. D.h. ich halte den ersten Tipp für wichtiger als den fünften. Auch innerhalb der Erläuterungen versuche ich, das Wichtigste gleich zu Beginn bekannt zu geben und erst dann ins Detail zu gehen. Wem das zuviel wird, liest dann einfach beim nächsten Tipp weiter.

Vorbemerkung 3: Keine Regel ohne Ausnahme – es gibt großartige Fotos,  die genau deshalb so großartig sind, weil sie eine (seltener auch mehrere) dieser Grundregeln brechen. Doch auch beim Fotografieren gilt die Binsenweisheit: Man muss die Regeln kennen (und beherrschen), um sie sinnvoll brechen zu können. Wer sich an die Regeln hält, hat gute Chancen ordentliche Bilder zu machen. Wer es (aus Unwissenheit oder Faulheit) nicht tut, hat eine minimale Chance, etwas Geniales zu erschaffen – und wird, falls er diesen Glückstreffer überhaupt jemals landet, bis dahin eine Menge Müll produzieren.

Vorbemerkung 4: Obwohl die meisten der folgenden Ausführungen auch für die analoge Fotografie gelten, gehe ich davon aus, dass der geneigte Leser / die geneigte Leserin mit einer Digitalkamera unterwegs ist. Wer heute noch analog fotografiert, braucht eigentlich nicht weiter zu lesen: Denn er ist entweder so desinteressiert am Thema Fotografie, dass er (mit seiner veralteten Ausrüstung) nicht mal den geringsten Ehrgeiz für bessere Bildern entwickelt. Oder er ist ein derart mit allen Wassern der Lichtbildkunst gewaschener Freak, dass er (mit seiner exquisiten Puristen-Ausrüstung) bereits alle Kniffe kennt und meine Ausführungen für ihn daher längst kalter Kaffee sind.

Vorbemerkung 5: Ansonsten aber ist es völlig gleich, ob Sie mit einer preiswerten Kompakt- oder mit einer profimäßigen Spiegelreflexkamera (oder irgendwas dazwischen) unterwegs sind. Ordentliche Bilder (will sagen: bessere) können Sie heutzutage mit fast jeder Technik machen. Auf die Eigenheiten der jeweiligen Kamera-Technologien werde ich hier und da noch genauer eingehen.

Vorbemerkung 6: Die fünf Tipps habe ich in der Du-Form formuliert – das klingt knackiger. Ansonsten aber rede ich meine Leser lieber in der Höflichkeitsform an – das will ich auch hier so halten.

Jetzt aber endlich weiter mit dem fünften und letzten Tipp.

Mache Dich mit Deiner Technik vertraut

Ich will den Grundgedanken mal so formulieren: Es ist nicht der Meißel, der die beeindruckende Skulptur schafft; es ist nicht der Pinsel, der das wunderschöne Gemälde entstehen lässt. Aber: Könnten die Künstler nicht mit ihren Werkzeugen umgehen, würden sie nie ans Ziel gelangen. Dies gilt umso mehr für den kreativen Prozess der Fotografie, der besonders stark von Technik geprägt ist.  Kurz gesagt: Einfach nur auf den Auslöser drücken, ist in den meisten Fällen zu wenig – wenn man bessere Fotos machen will.

Es gibt im Bezug auf die Fototechnik zwei grundlegende Vorurteile, die – zumindest in ihrer extremen Ausprägung – beide in die Irre führen. Vorurteil eins besagt, dass die Güte der fotografischen Ausrüstung (salopper gesagt: Wieviel man für sein Kamera-Equipment bezahlt hat) entscheidend für die Qualität der Bilder ist. Immer wieder erlebe ich es, dass Laien Fotos von ambitionierten Fotografen betrachten, ein bisschen beeindruckt sind – und dann sagen: “Na, bei der Ausrüstung …” So als würde eine Kamera im Wert von so und soviel Euro automatisch bessere Bilder machen. Das ist Unfug. Ich behaupte: Heutzutage lassen sich schon sehr feine Ergebnisse mit Geräten ab plus-minus 150 Euro (in Ausnahmefällen sogar darunter erzielen). Fotografie war noch niemals so günstig wie heute – auch bessere Fotografie nicht.

Vorurteil zwei fällt genau ins andere Extrem und hängt so etwas einem romatischen Künstermythos an. Danach ist allein die menschliche Kreativität für alles verantwortlich – und die Technik völlig zu vernachlässigen. Fakt ist: Bestimmte fotografische Ergebnisse lassen sich nur mit einer bestimmten Technik erzielen. Und Fakt ist auch: Je besser man die Technik beherrscht desto intensiver kann man sich auf das kreative Arbeiten konzentrieren.

Kurz und gut: Es macht auf alle Fälle Sinn, sich mit den technischen Möglichkeiten seiner Kamera vertraut zu machen. Selbst vergleichsweise preiswerte Kameras bieten heutzutage eine große Fülle an Funktionen, die man durchaus nach und nach erkunden sollte. Dabei geht es nicht nur darum, auszuloten, was man mit seinem Gerät (theoretisch) alles machen kann, sondern vor allem darum, welche Funktionen einem wirklich hilfreich erscheinen und welche man als bloßes Gimmick relativ schnell wieder zu den Akten legen kann. Das ist immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und der persönlichen Erfahrung. Deshalb will ich hier keine Ratschläge bezüglich ganz bestimmter (womöglich gar sehr exotischer) Funktionen geben.

Es empfiehlt sich also in jedem Fall, die Bedienungsanleitung seiner Kamera intensiv zu studieren. Ich weiß, das klingt trivial.  Ich weiß aber auch, wieviele Fotografen diesen einfachen Ratschlag nicht beherzigen und dann hinterher oft staunen: “Ach, das kann mein Fotoapparat auch …” Bei Kameras für den fortgeschrittenen Fotografen sollte man auch darüber nachdenken, Sekundärliteratur heranzuziehen. Für viele gängige Modelle, etwa aus dem Spiegelreflex-Bereich, gibt es Fachbücher namhafter EDV-Verlage, die oft sehr zu empfehlen sind und den fototechnischen Horizont sehr erweitern können.

Beim Erlernen der Fototechnik empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen: Jede Funktion einer Kamera, die man als nützlich erkannt hat, sollte man nach einer gewissen Übungsphase quasi im Schlaf ansteuern können. Für bessere Fotos ist es unabdingbar, dass man die Technik so weit im Griff hat, dass sie im Ernstfall keine allzu langen Überlegungen erfordert. Wer sich mit Schaltern, Einstellungsrädern und Menüs abquälen muss, verliert schnell die Lust – und bleibt dann oft bei der 08/15-Methode, die besseren Fotos entgegen steht. Es geht nicht darum, alle möglichen Funktionen auf einmal zu beherrschen, sondern darum, sich langsam aber stetig voranzuarbeiten.

Generell gilt: Je hochwertiger die Ausstattung ist desto wichtiger wird die Auseinandersetzung mit den technischen Möglichkeiten. Es gibt Zeitgenossen, die sich für etliche hundert (oder gar tausend) Euro eine digitale Spiegelreflexkamera leisten, die sie nur im “Idioten-Modus” nutzen und sich dann wundern, warum ihr teures Gerät kaum bessere Ergebnisse zeitigt als eine sehr viel billigere Kompaktkamera. (Anmerkung an dieser Stelle:  Der “Idioten-Modus” wird an meiner Canon EOS 450D durch ein grünes Rechteck symbolisiert. Offiziell heißt er, glaube ich, “Vollautomatik” – ich habe diese Funktion genau einmal genutzt: Direkt nach dem Kauf der Kamera, um zu testen, ob der Auslöser auch funktioniert.)

Wer wirklich den Willen zu bessere Fotos hat, sollte sich – nach und nach! – zumindest mit Begriffen wie Brennweite, Verschlusszeit, Blende(nöffnung), ISO-Empfindlichkeit, Belichtungs- und Autofokuseinstellungen vertraut machen, die in der einen oder anderen Form bei fast allen modernen Kameras eine Rolle spielen.

Zum Schluss noch ein Wort zu einem Thema, das durchaus eine gewichtige Rolle in der Welt der digitalen Fototechnik spielt: Die (nachträgliche) Bildbearbeitung am Computer. Das ist ein sehr weites Feld und ich möchte an dieser Stelle eigentlich nicht weiter darauf eingehen. Nur so viel: Ambitionierte Fotografen – das ist meine persönliche Einschätzung – werden früher oder später die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung kennen und schätzen lernen. Bildbearbeitungssoftware kann aus einer missratenen Aufnahme (in der Regel) kein Kunstwerk machen, aber sie hilft in  vielen Fällen (ich würde sogar sagen: in den meisten Fällen), aus viel versprechenden Vorlagen noch eine ganze Menge mehr an Bildqualität und Bildaussage herauszukitzeln.

Tags: Allgemein

0 Antworten bis jetzt ↓

  • Es gibt keine Kommentare bis jetzt...

Hinterlasse ein Kommentar