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Bänkelsänger der Alemannen

Mit der Neuauflage von “einewäg” wird die Erinnerung an Roland Hofmaier wieder lebendig

Es ist ein herrlicher Blick von der großzügigen Terrasse dieses Hauses in Lehnacker. Bei klarem Wetter kann man die Alpen sehen und nachts einen vollen Sternenhimmel, den unten in den Tälern der Dunst verschleiert. “Das hier oben war immer sein Traum gewesen”, sagt Elly Hofmaier. Gerade mal zwei Jahre konnte Roland Hofmaier diesen Traum genießen, im September 1985 starb der alemannische Liedermacher an einem Krebsleiden – gerade mal 39 Jahre alt.

Seine zahlreichen Freunde und die noch zahlreicheren Liebhaber der alemannischen Mundart haben dafür gesorgt, dass ihr junger Hoffnungsträger nie in Vergessenheit geriet. Immer wieder, wenn es um die Pflege der heimischen Mundart ging, fiel auch der Name Hofmaier. “Von Hebel bis Hofmaier” lautete der Titel einer Veranstaltung – Ausdruck des Respekts, den man dem Liedermacher zollte und immer noch zollt.

Dass Roland Hofmeier in den Köpfen der Markgräfler präsent blieb, beweist auch die weiterhin lebendige Nachfrage nach seinen beiden längst vergriffenen Langspielplatten. Elly Hofmaier hat sich deshalb entschlossen, die zweite Einspielung ihres Mannes, “einewäg”, als CD neu aufzulegen.

Roland Hofmaiers Wirken fiel in eine Zeit, da der Mundart wieder mehr Interesse und Wertschätzung entgegengebracht wurde. Auch wenn Hofmaiers Lieder keinen Anspruch auf höchste literarische Weihen erheben – was er wohl auch nie für sich reklamiert hätte – gehen sie weit über die biederen Dialekt-Schüttelreime hinaus, die auf Vereinsfesten und Hochzeiten so oft zu hören sind; selbst wenn sich Hofmeier nie zu schade war, auch zu derartigen Anlässen sein Bestes zum Besten zu geben.

Von ihm als Bänkelsänger zu reden, wie es einige Journalisten seinerzeit taten, trifft es wohl am ehesten. Nicht nur, weil er in seinen gradlinigen Texten (seine) Alltagserlebnisse verarbeitete, sondern auch, weil trotz der Aktualität vieler Themen seinen Liedern etwas Altertümliches anhaftete. Sang er sie doch in einer Sprache, die weit mehr als das heutige Schriftdeutsch dem nahe kommt, was vor einigen hundert Jahren als Umgangssprache gepflegt wurde.

Sprache, vor allem aber die Mundart, war Hofmaiers Element. In seinen letzten Lebensjahren konnte der gelernte Speditionskaufmann, der in seinem ursprünglichen Beruf nie wirklich glücklich war, sein Talent auch beruflich nutzen. Als Werbetexter bei Schöpflin musste er sich freilich mit Hochdeutsch abgeben, seine freie Zeit widmete er dafür umso ausgiebiger dem Alemannischen – unter anderem als Vizepräsident der Muettersprochgesellschaft, die für den jungen, kreativen Kopf äußerst dankbar war und sein Andenken in Ehren hält.

Roland Hofmaier begnügte sich allerdings nicht damit, sein geliebtes Markgräflerland, das er aufgrund mehrerer Umzüge von Wehr über Weil, Stetten und Steinen nach Lehnacker aus verschiedenen Winkeln kannte, zu besingen. In seinem Repertoire fanden sich etliche kritische Texte, etwa über Atomkraft und Geldgier, die vor allem beim gesetzteren Publikum nicht immer auf Gegenliebe stießen.

Hofmaiers Karriere begann mit dem Kauf einer zwölf-saitigen Gitarre in Meran, die dem musikalischen Autodidakten, der nie Notenlesen gelernt hatte, den nötigen Motivationsschub versetzte – nachdem er zunächst an der Vertonung von Hebels “Mann im Mond” gescheitert war. Bei einer Besichtigung des Freiburger Südwestfunk-Studios mit Bekannten nahm er 1976 mehr aus Jux das “Wiesental-Lied” auf, wenige Wochen später ging es über den Äther und löste ein überaus positives Echo aus. 40 Lieder hat Hofmaier bis 1984 geschrieben, gut die Hälfte davon sind auf den beiden Langspielplatten “mänkmol mein i” und “einewäg” der Nachwelt erhalten geblieben.

Alexander Huber, DER SONNTAG, 19. Januar 2003

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