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Die Karte, die über 180 Türen öffnet

Eine der besten grenzüberschreitenden Ideen wird 10 Jahre alt: der Oberrheinische Museums-Pass

Kein Zweifel: Ideenmangel konnte man den politisch, gesellschaftlich und kulturell Verantwortlichen im Dreiländereck am Oberrhein in den letzten Jahren und Jahrzehnten kaum vorwerfen, wenn es darum ging, trinationale Gremien, Projekte und Initiativen zu ersinnen. Als hoch willkommener Katalysator galt dabei in vielen Fällen die Interreg-Förderung der Europäischen Union. Allein, viele dieser hehren Projekte blieben abstrakte Angelegenheiten, die mit der Lebenswirklichkeit der Menschen im Grenzland wenig zu tun haben. Und noch mehr starben eines ziemlich raschen Todes, nachdem sie vom Fördertropf abgehängt wurden.

Vor diesem Hintergrund ist der zehnte Geburtstag, den der Oberrheinische Museums-Pass in diesem Jahr begeht, wahrhaft ein Grund zum Feiern. Denn mit dem Museums-Pass wurde nicht nur etwas geschaffen, was den Menschen verschiedenster Alters- und Gesellschaftsschichten konkret etwas bringt. Es ist damit auch eine Institution entstanden, die es geschafft hat – trotz aller Widrigkeiten – auf eigenen Beinen zu stehen. Seit fünf Jahren, nach dem Ende der Interreg-Förderung, kommt der Verein Oberrheinischer Museums-Pass ohne öffentliche Gelder aus.

Möglich macht das die Unterstützung von Sponsoren, vor allem aber der gemeinsame Einsatz für eine einfach klingende, aber weit weniger einfach umzusetzende Idee: Wer sich einen Oberrheinischen Museums-Pass kauft, hat ein Jahr lang freien Eintritt in (derzeit) fast 190 Museen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Das Gebiet, das der Oberrheinische Museumspass abdeckt, ist riesig und umfasst längst nicht mehr nur die unmittelbare Region am Oberrhein. Die nördlichsten Mitgliedsmuseen kann man in Mannheim besuchen, das südlichste in Seengen im Schweizerischen Aargau. Mittlerweile müssen die Verantwortlichen schon ein wenig bremsen. “Es haben auch schon Museen von weiter her, zum Beispiel aus Stuttgart, angefragt, ob sie Mitglied werden dürfen”, sagt Caroline Linker, Pressesprecherin des Vereins Oberrheinischer Museumspass und Referentin für Deutschland und die Schweiz. In dieser Form und Größe, über drei Länder hinweg, ist der Oberrheinische Museums-Pass europaweit einmalig, womöglich sogar weltweit.

Ein guter Start

Gestartet ist man vor zehn Jahren zwar in etwas kleinerem Stil, doch keineswegs unbescheiden. Die Idee für den Museums-Pass entstand in der Arbeitsgruppe Kultur der Oberrheinkonferenz. Ein Vorbild gab es schon: den Basler Museums-Pass, der in der Folge im Oberrheinischen Museums-Pass aufgehen sollte. “Am Anfang war die Überlegung 35 kleine und 35 große Museen aus den drei Ländern als Mitglieder zu gewinnen”, erzählt Caroline Linker. Doch die Idee kam in der Kulturlandschaft des Dreiländerecks offenbar so gut an, dass man mit 120 Museen an den Start gehen konnte. Was bis heute gut gelungen ist: Alle drei Länder engagieren sich in etwa gleichwertig, auch wenn das deutsche Museums-Pass-Gebiet das größte ist. Man hat jedenfalls nicht das Gefühl, dass es in dem Trio ein drittes Rad am Wagen gäbe. Konsequente Zweisprachigkeit ist denn auch oberstes Gebot bei allen Aktivitäten des Museums-Pass-Vereins.

Am 1. Juli 1999 wurde der neue Museum-Pass eingeführt und noch im selben Jahr konnten über 7500 Exemplare verkauft werden. In den Folgejahren entwickelten sich die Verkaufszahlen kontinuierlich nach oben, 2001 wurde die 20000-Grenze geknackt, 2004 gab es über 28000 Pass-Inhaber. Seitdem aber stagniert die Entwicklung, 2005 und 2006 gab es gar einen leichten Knick nach unten, 2007 erreichte man das bislang beste Ergebnis mit 28435 verkauften Pässen (die Zahlen für 2008 sind noch nicht veröffentlicht).

Von einer Erfolgsgeschichte lässt sich da immer noch sprechen, dennoch kann das Wachstum mit angezogener Handbremse den Verantwortlichen nicht gefallen. “Wir wollen mehr Pässe verkaufen”, antwortet denn auch Caroline Linker schlicht auf die Frage, welche Ziele beim Oberrheinischen Museums-Pass Priorität für die Zukunft haben.

Keine ganz einfache Aufgabe: Das Budget für Werbung ist klein, Sonderaktionen wie jetzt zum Jubiläum wären ohne die Sponsoren gar nicht denkbar. Immerhin hat man sich zum zehnjährigen Geburtstag einen überarbeiteten Internet-Auftritt geleistet. Überhaupt ist man beim Museums-Pass schlank aufgestellt, wie das im heutigen Management-Sprech so schön heißt. Drei Mitarbeiter in der Geschäftsstelle unweit des Basler Bahnhofs SBB teilen sich die Vereinsarbeit, etwa 16 bis 17 Prozent der Museums-Pass-Erlöse gehen in die Vereinsarbeit selbst, der Rest wird an die Museen ausgeschüttet. Den Verwaltungsanteil wolle man noch weiter drücken, erklärt Caroline Linker, mindestens auf 15 Prozent.

Rechnet es sich?

Trotzdem bleibt die Frage, wie sich der Pass für die Mitglieds-Museen rechnet. Und diese Frage wurde vor ein paar Jahren von einigen großen Häusern besonders laut gestellt. Ihr Argument: Zu ihnen kämen die Besucher auch ohne Pass und dessen Erlöse brächten bei weitem nicht das, was die regulären Eintrittserlöse in die Museumskassen spülten. 2004 drohte die Fondation Beyeler auszusteigen, was einen herben Schlag für den Museums-Pass bedeutet hätte. Freier Eintritt in das hochrenommierte Riehener Museum war vor allem in der Region Basel für viele ein gewichtiges Argument, sich den Museums-Pass zuzulegen. Wer die Fondation mit ihren stetig wechselnden, attraktiven Ausstellungen mehrfach im Jahr besucht, hat allein schon dadurch den Preis des Passes bald wieder reingeholt.

Um Beyeler im Boot zu halten und einen Domino-Effekt bei den anderen großen Museen zu vermeiden, einigte man sich zunächst auf einen Kompromiss, mit dem in der Folge aber niemand so recht glücklich wurde. Die Regelung sah vor, dass die großen Häuser für besonders aufwendige Ausstellungen von Museums-Pass-Inhabern einen Zusatz-Eintritt kassieren konnten. Das aber schmälerte die Attraktivität des Passes, der bis dato so gut wie ohne Kleingedrucktes ausgekommen war. Besonders ärgerlich für viele Pass-Inhaber war nicht einmal der Zusatz-Eintritt, sondern dass sie nun auch in der Schlange an der Kasse stehen mussten, wo sie doch früher dank der grünen Karte einfach freien Durchmarsch ins Museum hatten.

Inzwischen wurde die Zuzahlungsregelung wieder abgeschafft. Dafür hat man sich vereinsintern auf neue Abrechnungsmodalitäten geeinigt, die den großen Mitgliedsmuseen offenbar mehr entgegenkommen. Seltene Ausnahmen gibt es aber immer noch: Wie jetzt zur Van-Gogh-Ausstellung ab 26. April im Basler Kunstmuseum. Immerhin zahlen Museums-Pass-Inhaber dort nur 18 statt 28 Franken Eintritt und Schlange stehen sollen sie im Regelfall auch nicht müssen. Auch mit diesem Kompromiss hat sich der Museums-Pass-Verein als lernfähig erwiesen. Als 2004 die Tutanchamun-Ausstellung nach Basel kam, trat das Antikenmuseum kurzerhand gleich für das gesamte Jahr aus dem Museums-Pass aus.

Der Museums-Pass begeht seinen 10. Geburtstag mit zahlreichen Aktivitäten. Mehr dazu im Internet unter www.museumspass.com

Alexander Huber, DER SONNTAG, 19. April 2009

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