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Spaß mit virtueller Eiersuche

Die Lust am Hintergründigen: Auf immer mehr elektronischen Medien verstecken sich “Easter Eggs”

Die Lust am Hintergründigen, am Versteckspiel, am überraschenden Schabernack sitzt tief im Menschen. Zuzeiten, als es noch unüblich war, die Gemälde mit vollem Namen zu signieren, verewigten sich die Künstler gerne im Bild selbst – zum Beispiel in Form eines Selbstporträts in einer Menschenmenge. Bedeutungsvolle Anspielungen gab es auch in der Musik – obgleich sich vieles nur dem musikalisch-mathematisch Gebildeten erschließt.

Im Zeitalter der digitalen Medien ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, verborgene Späße zu verbreiten – so wie man Ostereier in einer Wiese versteckt. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass versteckte Gags in Computerspielen und -programmen, auf DVDs und Internetseiten “Easter eggs”, also Ostereier, genannt werden. An die kommt man über normale Programmfunktionen nicht heran, sondern muss teilweise abenteuerliche Wege per Tastatur und Maus einschlagen.

Interessanterweise war die Motivation für die ersten “Easter eggs” eine ähnliche wie bei den Künstlern von anno dazumal – man wollte als Schöpfer eines Softwareprodukts aus der Anonymität treten. Als der Erfinder des ersten “Easter eggs” gilt Warren Robinett. Der programmierte 1978 das Videospiel “Adventure” für eine Atari-Konsole. Weil es Firmenpolitik von Atari war, die Namen der Entwickler nicht zu veröffentlichen, versteckte Robinett seinen Namen in einem geheimen Raum des Spiels.

Bis heute zählen versteckte Hinweise auf die Softwareautoren zu den häufigsten “Easter eggs”. Besonders eindrucksvoll etwa beim bekannten Tabellenkalkulationsprogramm Excel 97 von Microsoft. Nach einer komplizierten Tastenkombination (nachzulesen auf www.easteregg.de) findet sich der Anwender plötzlich über einer fraktalen Landschaft. Mit etwas Glück lässt sich eine Art Podest ausmachen, über das die Namen der Schöpfer von Excel flimmern.

In den neueren Versionen von Microsoft-Programmen finden sich solche Gags – wozu auch ein verstecktes Flipperspiel in Word 97 gehört – nicht mehr, was “Easter egg”-Experten wie René Meyer vermuten lässt, dass im Gates-Imperium solche Späße nicht mehr geduldet werden, um den seriösen Ruf von Microsoft nicht zu gefährden.

Derbe Späße

Doch die wahre Spielwiese für “Easter eggs” sind ohnehin nicht Office-Programme, sondern – wie könnte es anders sein – Computergames. Meyer, der unter www.easteregg.de über 640 digitale Ostereier gesammelt und ein inzwischen vergriffenes Buch über das Phänomen geschrieben hat, zählt zu seinen Favoriten einen versteckten Raum in dem Spiel “Indiana Jones”, der minutiös dem Original im Film nachgebaut wurde.

Computerspieler entdecken die versteckten Gags oft auf der Suche nach so genannten Cheats – das sind versteckte Funktionen (in der Regel über spezielle Tastenkombinationen erreichbar), die das Mogeln bei Videospielen ermöglichen. Manche “Easter eggs”, meint Meyer, könnte aber kein Mensch entdecken – sie gelangen über verschlungene Pfade aus den Softwareschmieden über einschlägige Internetforen an die Öffentlichkeit.

Inzwischen ist auch das World Wide Web ein dankbares Refugium für “Easter Eggs” geworden. Manche Gags sind dabei durchaus derber Art. Wer unter www.yellostrom.de in die Fragebox der virtuellen Stromberaterin “Eve” die Anweisung “zieh dich aus” eintippt, wird eine entsprechende Antwort bekommen. Bei Google sollen Internetsurfer auf der Suche nach dem schlechtesten Software-Produzenten Microsoft ganz oben in der Trefferliste gefunden haben – dieses “Easter Egg” freilich wurde inzwischen entfernt.

Elektronische Überraschungseier sind mittlerweile auch auf vielen DVDs versteckt. Die meisten davon seien jedoch nicht besonders aufregend, meint René Meyer. Doch es gibt Ausnahmen: Auf der DVD des Fantasyfilms “Krull” etwa verbirgt sich laut Meyer ein langes vertontes Comic. “Easter Eggs” auf DVDs seien leicht zu finden, sagt Meyer. Einfach ein wenig mit den Menütasten auf der Fernbedienung spielen. Werden dann auf dem Bildschirm Elemente markiert, die üblicherweise nicht zur Markierung vorgesehen sind, kann sich dahinter ein verstecktes Feature verbergen.

Alexander Huber, DER SONNTAG, 11. April 2004

1 Kommentar

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Spasse refugium | Tamihughson // Apr 21, 2012 at 07:29

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